Joseph Beuys – Werke aus der Sammlung van der Grinten

Bei den Sammlungspräsentationen zu Beuys wird ab Oktober 2021 in den Räumen zwischen Nord- und Ostturm eine Auswahl von Werken gezeigt, die nur noch punktuell dem Wechsel unterworfen ist. Für diese Präsentation wurden signifikante Objekte vor allem aus dem plastischen Werk ausgewählt, darunter die Gruppe der Hasengräber, die Holzkreuze Symbol des Leidens und Symbol der Erlösung, die Objekte Schlitten, Tisch mit Aggregat, Fettecke auf schiefer Ebene, das Multiple Ja Ja Ja Ja Ja, Nee Nee Nee Nee Nee sowie das Schlüsselwerk Das Schweigen von Marcel Duchamp wird überbewertet. Das Museum kommt damit dem Wunsch nach einer langfristig angelegten Beuys-Präsentation nach. Die Ausstellung zeigt den künstlerischen Ansatz von Beuys und gibt einen Einblick in die Beuys-Sammlung der Brüder van der Grinten.

Reihe Gegenüberstellungen
Um Besucher:innen die Möglichkeit zu geben, die Werke von Beuys immer wieder neu und aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten, werden einigen von ihnen seit 2021 für eine begrenzte Zeit Arbeiten von Künstler:innen gegenübergestellt, die diese Werke aufgegriffen haben, um sie kritisch zu hinterfragen oder ironisch und sinnerweiternd zu kommentieren.

Gegenüberstellungen

KONSORTIUM – PLUS GLEICH MINUS

Ab 3. April 2022 in den Räumen 35 und 36 (Schlossgebäude)

KONSORTIUM ist ein 2004 gegründetes Künstlerkollektiv bestehend aus den drei Künstlern Lars Breuer, Sebastian Freytag und Guido Münch. Sie arbeiten als Künstlergruppe, Ausstellungsraumbetreiber und Kuratoren zusammen. Kennzeichen ihrer Projekte sind eine klare und geometrische Formensprache und eine Auseinandersetzung mit der Ästhetik der Moderne und Postmoderne innerhalb der Kunst- und Architekturgeschichte. Im Rahmen der Ausstellung „Joseph Beuys – Werke aus der Sammlung van der Grinten. Gegenüberstellungen“ stellen die Künstler dem legendären Plakat „Kunst = Kapital“ von Joseph Beuys von 1979 ihr Werk „e pluribus unum“ von 2018 gegenüber.

Bereits 2018 entstand das Foto „e pluribus unum“ im Zusammenhang mit einer Ausstellung verschiedener Künstler:innen in Wroclaw (Polen) zum Thema Kapital. In diesem Foto stellten die drei Künstler von KONSORTIUM die Pose nach, in der sich Joseph Beuys 1979 im Hessischen Landesmuseum Darmstadt vor einem Mastodon, dem fossilen Skelett eines Elefanten-Vorfahren hatte fotografieren lassen. Die Fotografie von KONSORTIUM unterscheidet sich davon bewusst. Sie wurde im Museum für Ur- und Ortsgeschichte in Bottrop aufgenommen.

An einer weiteren Wand verweist eine Schriftarbeit auf die Dollarnoten der Vereinigten Staaten. Die beiden lateinischen Mottos „Novus ordo seclorum“ und „E pluribus unum“  stellen eine Verbindung zum Beuys’schen Diktum „Kunst = Kapital“ her.  Ebenso greifen die drei Zeichen der Arbeit auf Leinwand die Beuys’sche Formel auf, ersetzen jedoch die Begriffe des Kapitals und der Kunst durch die mathematischen Zeichen Plus und Minus. Das kreuzförmige Symbol für Plus ist auch ein von Beuys vielfach eingesetztes Zeichen. Das Motiv kehrt im Prototyp einer seriell vervielfältigten Kreuzskulptur wieder, die ebenfalls zur Installation des Kollektivs KONSORTIUM gehört.

Kai Fobbe – JaJaJaJaJaNeeNeeNeeNeeNee

Ab 3. April 2022 in Raum 37 (Schlossgebäude)

Eine Frau verwendet Gebärdensprache, um die Aufnahme einer Fluxus-Veranstaltung zu übersetzen, bei der Joseph Beuys 1968 mehr als eine Stunde lang die Worte „Ja, Ja, Ja, Ja, Ja, Nee, Nee, Nee, Nee, Nee“ sprach. Im ersten Film teilt sie die Atmosphäre mit, die während der Veranstaltung herrschte, im zweiten Film übersetzt sie die gesprochenen Worte. Fobbe erfindet eine bildliche Wirklichkeit für eine Veranstaltung, von der es keine filmische Aufzeichnung gibt. Das Muster im Hintergrund besteht aus der Wiederholung von zwei Punktrastern, die in Blindenschrift Ja und Nein bedeuten. Die kommunikative Funktion dieser Zeichen wird jedoch fast vollständig von der dekorativen Schönheit der Hintergrundgestaltung verdeckt. Kai Fobbe benutzt Gebärdensprache und Brailleschrift hier als zwar bekannte, aber von den wenigsten verstandene Zeichensysteme. Damit lenkt er unsere Aufmerksamkeit auf Dinge, die unser Interesse wecken oder uns faszinieren, obwohl wir sie nicht verstehen. 

Die Videos können Sie hier ansehen.

Bis zum 30. Juni zeigt das Museum Schloss Moyland auch die aktuelle Version des Langzeitprojektes „Raster Europa“.

Kai Fobbe studierte zunächst Physik, später klassische Gitarre an der Hochschule für Musik und Tanz Köln, Abteilung Wuppertal. Beim Kompositionswettbewerb des Festivals Ensemblia (Mönchengladbach) präsentierte er 1999 mit „Morsen II“ eine visuell-akustische Morsezeichen-Komposition. 2003 wandte er sich Filmen ohne Ton zu. Seit 2019 setzt er Augmented Reality in Ausstellungskonzepten ein, die für öffentlichen digitalen Raum und die Nutzung privater Mobiltelefone konzipiert sind.